Vista: Mehr Kontrolle für User versprochen
Vista-Feedback: mehr Kontrolle für Microsoft garantiert
Was auf der gestrigen Keynote zu Vista auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas gesagt wurde, dürfte auf breites Interesse stoßen: zukünftige Vista-Opfer können sich auf den einmal mehr versprochenen multimedialen Lifestyle freuen, der nun ganz sicher kommt. Dem “Verbraucher die Kontrolle zurückgeben” wolle man mit dem neuen Betriebssystem, und in der Tat soll das neue OS alles mögliche kontrollieren können. Vom “10 foot-Display” für die Medienwiedergabe über die Familie, die sich mittels Vista tracken läßt bis hin zum Rechner, der auch über Peripheriegeräte wie Handy oder Fernbedienung problemlos steuerbar wird.
Die multimedialen Angebote für Vista werden ebenfalls schon geschnürt: gemeinsam mit MTV soll “Urge” angeboten werden, eine Musikplattform, mit dem Apples iTunes Konkurrenz bekommen soll. Vista kann darüberhinaus von Haus aus Kabelfernsehen empfangen und wiedergeben. Individualisierte Videostreams und interaktive Programmangebote sollen den Medienkonsum revolutionieren.
Wie weit der Verbraucher Kontrolle zurückbekommt, wird man jedoch erst mit dem Release und dem Angebotsstart erfahren. Denn dass in der Praxis der schöne Schein vom allzeit verfügbaren Medium und dem komplett steuerbaren Medienkonsum aufrechterhalten werden kann, ist fraglich. Die Kopier- und Wiedergabefunktionen von Vista müssen schließlich auch den Segen der Medienkonzerne erhalten, und diese haben auf die Entwicklung der Wiedergabe- und Kopiermöglichkeiten von Vista erheblichen Einfluß genommen.
Auch darüber, wie Fernsehkonsum auszusehen hat, dürfte die Contentindustrie andere Ansichten haben als das Bild, welches auf der Keynote gezeichnet wurde. Anbietern von PVR-Geräten wie TiVo wurden wiederholt Steine in den Weg gelegt, um das Überspringen von Werbung durch den kontrollierenden Kunden zu verhindern. Dass dies bei einem DRM-gespickten System wie Vista anders aussehen soll, kann bezweifelt werden.
Bislang wurden die Multimediatools Microsofts immer stärker daraufhin optimiert, dem User je nach Wunsch der Contentlieferanten die endgültige Kontrolle über die Medien eben nicht einzuräumen. Dass sich dies mit Vista ändern soll, ist unwahrscheinlich. Die große Freiheit für den Konsumenten wird sich am Umgang mit Kopierschutz und DRM messen lassen werden, die Vista bietet. Und bei anderen Programmen gilt da eine einfache Faustregel: umgehen sie Kopierschutztechnik, werden sie verboten.
Während Microsoft an anderer Stelle durchaus Beispiele dafür liefert, wie es aussehen kann, wenn man wirklich Kontrolle an die Gegenseite abgibt. Auf der neugestalteten Vista-Homepage findet sich seit neuestem ein Feedbackformular für Betatester, zu Rückmeldungen wird eifrig aufgefordert. Für den Content, den man MS zur Verfügung stellt, hat sich der Konzern eigens eine Feedbacklizenz ausgedacht, in der man erkennen kann, wie Freiheit und Kontrolle auch aussehen kann: mit jeglichem Feedback gibt man an MS auch gleich die Rechte, dieses zu verwenden, zu verbreiten, zu verkaufen und kommerziell zu verwerten. In jeder Form und zu jedem Zweck.
Wie man Freiheiten einräumt, weiss man bei Microsoft. Praktisch umgesetzt wird das ebenfalls. Bei welchen Gelegenheiten und wem gegenüber, steht auf einem anderen Blatt.
Autor: | Erstellt am: Januar 5th, 2006 | 0 Kommentare |




















