Geheimnisvolles Apple-Patent
Apple hat vor wenigen Tagen ein Patent erhalten, das »System und Methode der Erzeugung von manipulationssicherem Code (tamper-resistant code)« schützt. Technologie-Journalist Sandy McMurray versucht bei Corante, ein Stück weit hinter das Geheimnis dieses Patentes zu blicken, und wir blicken mit:
Patent Nr. 20050246554 beschreibt, wie der User aus vorhandenen Betriebssystemen wie »Mac OS X, Microsoft Windows oder Linux« ein »erstes Betriebssystem« und ein »zweites Betriebssystem« wählt. Ebenfalls erwähnt wird eine virtuelle Maschine (ein »Software-Computer«), und die Möglichkeit, zwischen Macintosh-Computer und Windows-PC hin und her zu wechseln.
Es scheint in diesem Patent also letztlich darum zu gehen, daß in einem Intel-Macintosh ein Mac und ein kompletter Software-PC mit Windows bzw. Linux stecken können. Beide System könnten gleichzeitig laufen oder der Anwender könnte – wie es das Patent zu beschreiben scheint – zwischen einem dominaten »ersten Betriebssystem« und einem »zweiten Betriebssystem« wechseln, das parallel in einer virtuellen Maschine läuft. Wie auch immer – es ließe sich kaum verhindern, daß Linux oder Windows auf den Intel-Macs installiert werden. Wenn Apple aber andere Betriebssysteme auf seine Maschinen lässt, muß es sein Mac OS gegenüber diesen fremden Betriebssystemen absichern: um zu verhindern, daß eine solche Multi-OS-Umgebung dazu benutzt wird, die in der Hardware implementierten Sicherungen des Mac OS X zu umgehen, OS X zu hacken und auf Nicht-Apple-Hardware zu installieren, wäre der hier patentierte manipulationssichere Code notwendig. Das Patent scheint also in erster Linie den Schutz des Mac OS X gegen Hacker zu betreffen.
Wenn dies gelingt, wäre Apple aber auch – quasi als Nebeneffekt – der einzige Hersteller, der eine Hardware mit dem Feature eines »Zwillings-OS« verkaufen kann, denn niemand sonst bietet MacOS X an: Apple lizensiert sein Betriebssystem bekanntlich nicht – Microsoft aber durchaus, und Linux ist sowieso frei. Microsofts OEM-Partner könnten darauf bestehen, daß Vista nicht oder nur sehr teuer an Apple lizensiert wird, aber das würde wahrscheinlich der Anti-Monopolregelung des US-Justizministeriums widersprechen. Tatsächlich müsste Apple einen solchen Rechner nicht einmal zusammen mit Microsofts Vista verkaufen – allein die Möglichkeit würde ausreichen. Apples Phil Schiller hatte schon kurz nach der Bekanntgabe des Intel-Switches gesagt: »Wir werden niemand daran hindern, Windows auf einem Mac laufen zu lassen«.
Auch ein Markt wäre vorhanden: wenn Microsofts »Vista« im nächsten Jahr kommt, werden viele vorhandene PCs dessen Mindestvoraussetzungen nicht erfüllen. Vista benötigt zum Beispiel eine bestimmte Videokarte, aber viele Homecomputer haben nicht mal den entsprechenden AGP-Slot. Statt in komplett neue PC-Hardware zu investieren, auf der Vista läuft, könnten viele Käufer Geschmack daran finden, eine Hardware zu kaufen, die praktisch jedes wichtige Betriebssystem beherrscht – und sicher ist, jedenfalls für’s erste.
Autor: | Erstellt am: November 6th, 2005 | 0 Kommentare |




















